Robotik soll auch Mädchensache werden

Keine Scheu vorm Programmieren, das möchte ein neues Netzwerk der Wissenswerkstatt Diepholz zusammen mit Pädagogen Mädchen vermitteln. Sie sollen so an Robotik herangeführt werden.

Landkreis Diepholz. Informatik, Technik und Robotik in der Schule – das hört sich zunächst nach Themen an, für die sich vor allem Jungen interessieren. Das ist auch tatsächlich nach wie vor so, ein neues Netzwerk im Landkreis Diepholz möchte das jedoch in Sachen Robotik ändern. Mehr Mädchen als bisher sollen mit interessanten Angeboten an das Programmieren von Robotern herangeführt werden, hat sich die von der Wissenswerkstatt Diepholz initiierte Gruppe vorgenommen.

Die Wissenswerkstatt der Metropolregion Nordwest hat sich schon lange dem altersgerechten Vermitteln von Naturwissenschaften und Technik für Kinder und Jugendliche von acht bis 18 Jahren verschrieben. Ganz wichtig dabei: die praktische Erfahrung. Dafür sind am Standort in Diepholz mit Hilfe von lokalen Wirtschaftsunternehmen und der öffentlichen Hand Werkstätten entstanden, in den die jungen Teilnehmer Technik und naturwissenschaftliche Phänomene erleben und begreifen können. Eng arbeitet die Wissenswerkstatt auch mit den Schulen im Landkreis zusammen, bietet zum Beispiel Kurse an.

Mit dem neuen Netzwerk, dessen Auftakt-Treffen vor Kurzem in Diepholz stattgefunden hat, soll nun der Austausch der Schulen im Kreisgebiet hinsichtlich der Robotik-Angebote intensiviert werden. Mehrere Lehrer aus dem ganzen Landkreis nahmen an dem Treffen teil und haben schon erste Ideen entwickelt. Weitere Treffen sollen demnächst folgen, zusätzliche interessierte Lehrkräfte aus den weiterführenden Schulen, aber auch den Grundschulen im Kreisgebiet sind dann herzlich eingeladen. 

„Die Treffen sollen den Schulen die Möglichkeit geben, ihre Projekte im Bereich Robotik vorzustellen und sich darüber mit anderen auszutauschen“, sagte Heike Pabst, die Leiterin der Wissenswerkstatt. Das sei vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass der Informatikboom der 1990er-Jahre in den Oberstufen abgeebbt sei. Das müsse sich wieder ändern, da die digitalisierte Wirtschaft einen hohen Bedarf an IT-Fachkräften habe.

Eine wichtige Rolle beim Programmieren von Robotern spielt auch die Teamarbeit, stellten die Teilnehmer fest. Dirk Lahrmann von der Wissenswerkstatt berichtete zum Beispiel von seinen Erfahrungen, dass die jungen Tüftler sich lieber zu zweit mit einem Roboter befassten, als alleine. Für die Kooperative Gesamtschule (KGS) Brinkum nahm Henning Brandt an dem Treffen teil, er stellte den Einsatz von Robotern im Informatikunterricht seiner Schule und in der Projektarbeit vor. 

Eine Roboter-AG gibt es auch an der KGS Leeste, wie Wiebke Vogelsang berichtete. "Roboter spielen in unserem Alltag eine immer größere Rolle", sagte sie. Ein Problem sei allerdings die Lehrerausbildung in diesem Bereich. Denn es gebe immer weniger Lehrer mit Informatikkenntnissen. Kathrin Kühn von der Lukas-Schule Bassum erläuterte, mit einer Robotik-Projektwoche gestartet zu sein und seitdem auch eine Robotik-AG anzubieten. Erstmals habe die Schule jetzt am Intech-Cup teilgenommen, einem Kooperationsprojekt von Schulen der Region Oldenburg/Ostfriesland und der Universität Oldenburg.

Um künftig mehr Mädchen an die Robotik heranzuführen, schlugen die Pädagogen vor, mehr weibliche Kursleiter einzusetzen. Dass das angesichts der ohnehin schon wenigen Informatiklehrer schwierig werden könnte, ist ihnen aber auch bewusst. Heike Pabst hielt es zudem für sinnvoll, Aufgaben zu finden, bei denen sich Mädchen mehr angesprochen fühlten. "Mädchen muss ein Vorsprung ermöglicht werden, um ihnen mehr Selbstsicherheit zu geben", sagte sie. Passend dazu habe die Wissenswerkstatt bereits erfolgreich einen ersten Kurs nur für Mädchen angeboten.

Weitere Informationen zum Netzwerk erhalten Interessierte nach den Sommerferien bei Heike Pabst (E-Mail: heike.pabst@wiwe-nw.de, Telefon: 05441/9957811).

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