Etwas zurückgeben – der Stadt und den Diepholzern

 

Bernd Habersack leitet Verein Wissenswerkstatt

Diepholz. In der Wissenswerkstatt Metropolregion Nordwest herrscht rege Betriebsamkeit: IN der Werkstatt lauschen fast 20 Kinder im Rahmen einer Ferienaktion der Stadt Diepholz gebannt den Erläuterungen von Werkstattleiter Dirk Lahrmann und bauen aus Kupferrohren, Sperrholz und Styropor kleine Boote mit Teelicht-Antrieb. Wie gut ihre kleinen „Kerzen-Dampfer“ funktionieren, testen die Kinder gleich in einem Wasserbecken und beobachten fasziniert, wie das Rückstoß-Prinzip wirkt.

„Es macht Spaß, das Engagement und die Freude der Kinder zu sehen; dann weiß man, warum man das macht“, sagt Bernd Habersack, der Vorsitzende des Trägervereins der Anfang Mai eingeweihten Einrichtung unter der Leitung von Dr. Heike Pabst. „Die Wissenswerkstatt ist eine Idee der ZF“, erläutert Bernd Habersack, der von 1996 bis 2004 Vorsitzender der Geschäftsführung am ZF-Standort Lemförde war. Die Unternehmensgruppe habe damit begonnen, an jedem größeren Standort eine solche Werkstatt zu schaffen; nach Saarbrücken, Schweinfurt, Friedrichshafen, Passau und Schwäbisch Gmünd sei Diepholz die sechste.

Die Wissenswerkstatt ist aus drei Bausteinen aufgebaut: Der erste, die „Werkstatt“, befasst sich mit den Grundlagen in Holz- und Metallbau. Die „Elektrik“ als zweiter Baustein hat den Aufbau elektrischer Schaltungen, auch unter Einsatz des Lötkolbens, zum Inhalt, und in der „Robotik“ als drittem Baustein geht es um den Bau von Robotern oder Fahrzeugen und deren Programmierung. Die Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren. Während vormittags die Einrichtung Schulen aus dem Einzugsgebiet zwischen Vechta, Oldenburg, Bremen, Sulingen und Lübbecke bis Osnabrück zur Verfügung steht, können sich Interessierte am Nachmittag in Gruppen von bis zu 16 Teilnehmern für die verschiedenen Kursbausteine anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos, die Teilnehmer können alles, was sie gebaut haben, mit nach Hause nehmen, uns selbst die Fahrtkosten werden von Sponsoren übernommen. In den einzelnen Kursen werden die einzelnen Arbeitsschritte per Computer an die Wand geworfen, und zusätzlich den Teilnehmern von den Kursleitern erklärt; auch Informationen über die wissenschaftlichen und technischen Hintergründe kommen dabei nicht zu kurz.

„Ganz wichtig: Die Wissenswerkstatt ist keine Ausbildungswerkstatt für ZF“, betont Bernd Habersack. Zwar habe das Unternehmen den aufwendigen Umbau der Räumlichkeiten durchgeführt und für die Grundausstattung gesorgt, aber es gehe darum, das Interesse an den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu fördern und zu zeigen, dass weiter Arbeitskräfte in Handwerk und Industrie gebraucht würden. Finanziert werde die Wissenswerkstatt von den Gründern, zu denen neben ZF weitere Unternehmen der Region, aber auch die Kreishandwerkerschaft oder die Stadt Diepholz zählen. Sie haben sich verpflichtet, für bis zu zehn Jahre die Einrichtung mit einem bestimmten Geldbetrag zu unterstützen. Weiterhin gibt es Förderer, die sich auf unterschiedliche Weise beteiligen.

Obwohl voraussichtlich  erst ab Anfang September alle Angebote vollständig zur Verfügung stehen, werde die Wissenswerkstatt schon erstaunlich gut angenommen, freut sich Bernd Habersack. Bis zur Einweihung habe es anderthalb Jahre an Vorarbeiten gebraucht. Von Anfang an dabei war er nicht, sondern er sei angesprochen worden, ob er zur Gründung des Trägervereins den Vorsitz übernehmen wolle. Mit Vereinsgründungen hat Bernd Habersack durchaus Erfahrung: 1996 war er Mitbegründer des Vereins Naturraum Dümmerniederung und führte zehn Jahre lang den Vorsitz, und auch beim Förderverein des Diepholzer Krankenhauses zählt er zu den Gründungsmitgliedern.

Zwar ist er bereits seit 35 Jahren Mitglied im Lions Club Grafschaft Diepholz, doch mit dem Ehrenamt habe er „relativ spät begonnen, weil ich beruflich so stark eingespannt war.“ Nach einer Lehre zum Feinmechaniker schloss sich ein Maschinenbaustudium an, das Bernd Habersack als Diplom-Ingenieur beendete. Einer Beschäftigung bei VW in der Fahrzeugkonstruktion folgte die Bundeswehrzeit, nach der er verschiedene Stationen in der Automobil- und Zuliefererindustrie absolvierte. „Ich bin immer der Fahrwerktechnik treu geblieben: Achsen, Bremsen, Lenkung – das war meine Welt!“.

Schließlich führte ihn der Weg zu ZF, wo er neben seinen Vorstandsaufgaben ab 1999 auch Präsident von ZF Nordamerika war und diverse Aufsichtsratmandate wahrnahm. Nach dem Ruhestand habe man ihn angesprochen, ob er nicht für den Stadtrat kandidieren wolle, und gleich im ersten Anlauf wurde er gewählt. Seit neun Jahren ist er nun Stadtrat für die CDU und zudem Vorsitzender der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing „WiSta“.

Die Motivation für sein ehrenamtliches Wirken ist Dankbarkeit, so Bernd Habersack: „Wir haben als ZF hier mehrere Werke gebaut und dabei von Diepholz große Unterstützung erfahren. Deswegen möchte ich der Stadt und den Diepholzern etwas zurückgeben. Außerdem“, verrät er, „kann man sich nach so einem Job nicht einfach hinsetzen und nichts tun!“ Auch der Beruf hat ihn noch nicht ganz losgelassen, denn für ein indisches Unternehmen mit Sitz in München ist Bernd Habersack weiterhin im Aufsichtsrat tätig. Konkrete Ziele oder Projekte zur Verwirklichung verfolgt der 74-jährige aber nicht mehr: „Ich bin gut zufrieden und ausgelastet.“

Aus dem Sonntags-Tipp vom 23.08.2015 - von Harald Bartels