„Wissenswerkstatt“ in der alten Lübkemannschule

 

Lust auf Technik machen / Jugendfreizeitzentrum soll verlagert werden

DIEPHOLZ. Diepholz könnte Ziel von Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Region werden – auch aus dem Raum Vechta, Osnabrück und Minden-Lübbecke. In Diepholz bekämen sie auf spielerische Weise Kontakt mit Technik, würden an technische Berufe herangeführt: Die Kreisstadt soll eine „Wissenswerkstatt“ bekommen.

Die Initiative des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, einer der größten Arbeitgeber der Region, ist nicht ganz uneigennützig: Dieses Unternehmen ist auf technisch versierte Fachkräfte angewiesen.

In „Wissenswerkstätten“, die es an anderen ZF-Standorten schon gibt, werden technische Experimente angeboten, wobei eine Betreuung durch pädagogisch kompetentes Personal sichergestellt wird. „Es handelt sich ausdrücklich um ein langfristiges Konzept mit einer gesicherten Finanzierung von mindestens zehn Jahren“, heißt es in einem von ZF vorgelegten Konzept. Träger der Einrichtung ist ein Verein. Im Rahmen der Vorbereitung führt ZF Gespräche mit Unternehmen der Region, um sie für eine Beteiligung zu interessieren.

„Nach ausführlicher Diskussion wird als Standort die alte Lübkemann-Schule in der Stadt Diepholz anvisiert. Für diesen Standort sprechen die guten Anbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr, eine hohe Schuldichte, die Nähe zum Bahnhof und zur Innenstadt sowie eine Raumstruktur in dem Gebäude, die keine großen Umbauarbeiten erforderlich macht“, teilte Bürgermeister Dr. Thomas Schulze gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Zuvor hatte er den nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss über die Initiative „Wissenswerkstatt“ informiert.

In der 1895 errichteten Lübkemannschule an der Bahnhofstraße ist seit den 1980er Jahren das Jugendfreizeitzentrum (JFZ) untergebracht.

Bürgermeister Schulze: „Parallel zu den weiteren Vorbereitungsarbeiten wird an einem neuen Konzept zur offenen Jugendarbeit in der Stadt Diepholz in neuen Räumlichkeiten gearbeitet. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen sind neue Akzente der offenen Jugendarbeit erforderlich. Hierzu gehört auch eine räumliche Verlagerung, um die Jugendlichen noch besser erreichen zu können.“

Politiker diskutieren schon seit geraumer Zeit eine Verlagerung des JFZ – beispielsweise ins Schulzentrum.

Die Vorgespräche hätten laut Schulze gezeigt, dass das Projekt „Wissenswerkstatt“ eine große Chance für die Stadt Diepholz und die gesamte Region biete: „Der Bildungsstandort Stadt Diepholz wird nachhaltig gestärkt.“ Mit der Neukonzeption der offenen Jugendarbeit und zukünftig neuen Räumlichkeiten sei jetzt die einmalige Gelegenheit gegeben, die Jugendarbeit der Stadt Diepholz auf neue Füße stellen zu können.

In der „Wissenswerkstatt“ ergänzen und vertiefen die Angebote qualifizierter Trainer und Dozenten die schulischen Angebote zu den sogenannten MINT-Fächerkanon (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Das werde ohne große Probleme durch enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schulen und Pädagogen auf der einen Seite, der „Wissenswerkstatt“ auf der andren Seite und den regionalen Akteuren – zum Beispiel Unternehmen und Unternehmern verschiedener Branchen und Wirtschaftsbereiche sowie Organisationen – als dritter erreicht, erklärte Alexander Hesselbarth, ZF-Sprecher für die Dümmerregion. Die Angebote sind für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostenlos. Die Mitglieder des Trägervereins sowie Sponsoren und Förderer finanzieren zusammen mit ZF die Arbeit der jeweiligen „Wissenswerkstatt“ an ZF-Standorten.

Hesselbarth: „Dort, wo sie sich erfolgreich etabliert haben, sind Interesse und Akzeptanz auffallend groß.“

Aus der Kreiszeitung vom 15.07.2014 - von Eberhard Jansen